Wo verschlägt es einen hin bei -8°C und eisig, starkem Ostwind? Richtig! An die Ostsee.

Dick eingemummelt und mit mehreren Schichten Kleidung laufe ich in Richtung Meer. Nur meine Augen schauen noch zwischen Schal und Mütze hervor und genau in diesem Bereich sticht die Kälte und lässt meine Wimpern gefrieren. Vor mir erstreckt sich der Strand und das Meer. Ich erkenne sofort, dass hier heute einiges anders ist als sonst.

Die Holzstege ins Meer sind komplett überzogen mit unzähligen Eiszapfen. Die Steine am Rand überzogen mit einer dicken Eisschicht. Selbst den Möwen sieht man die Kälte an. Ich entdecke eine Möwe, bei der sich gefrorene Eistropfen an den Beinen und Federn gebildet haben. Außerdem gibt es hier heute unzählige Stockenten, die schätzungsweise auf der Suche nach Nahrung von den zugefrorenen Teichen zur Ostsee gewechselt sind. Und dann sitzen dort auf den Holzstegen, wie immer in den Wintermonaten, etliche Kormorane in Reih und Glied. Einige von ihnen halten ihre Flügel zum Trocknen in die Luft. Wobei ich mich wirklich frage, wie genau das bei diesen Temperaturen funktionieren soll. Kurz darauf erhalte ich allerdings auch meine Antwort auf diese Frage. Ich entdecke einen toten Kormoran. Kurz darauf noch einen und dann noch einen. Einsam verteilt am Strand. Entweder sind sie verhungert. Oder erfroren. Ich tippe auf erfroren. Mir fällt es schwer hinzusehen. Und gleichzeitig kann ich nicht wegsehen. Denn es zeigt mir, wie nah Schönheit und Härte in der Natur beieinanderliegen.

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